Dennis Pauler
Dennis, Deutschland und die Welt
Gedacht: Klassiker in neuer Blüte – alte Spiele wiederbelebt mit ScummVM & Co
Alles Begann mit dem Forscherdrang, der vielen Programmieren zueigen ist. Neben den Entwicklern, die den meisten Spaß daran haben, sich ganz neue Dinge auszudenken gibt es die, die ganz genau verstehen wollen, wie bestehende Sachen funktionieren.
Diesem Wissensdurst folgend nehmen jeden Tag kleine und große Kinder Dinge auseinander, um herauszufinden, woraus sie bestehen – und wobei nur die wenigsten es schaffen, danach wieder alles richtig zusammenzusetzen…
Beim Auseinandernehmen von Computerspielen („reverse engineering“) rentiert sich dies besonders, wenn es mehrere Spiele mit gleicher technischer Basis gibt. Ideale Kandidaten dafür sind beispielsweise die Adventures von LucasArts, denn sie verwenden (fast) alle den gleichen technischen Unterbau, das SPUTM (SCUMM Presentation Utility TM). SPUTM ist ein Präsentationsprogramm für Spiele, die mit dem SCUMM (Script Creation Utility for Maniac Mansion) entwickelt worden sind. Dazu gehören neben dem namensgebenden „Maniac Mansion“ die LucasArts-Adventures „Zak McKracken“, „Loom“, „Indiana Jones and the Last Crusade“, „The Secret of Monkey Island“, „Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“, „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“, „Day of the Tentacle„, „Sam and Max Hit the Road“, „Full Throttle“, „The Dig“ und „The Curse of Monkey Island„. Puh. Viel Futter für den ambitionierten Software-Bastler.

Mit "SCUMM revisited" geben LucasArts-Adventures ihre Geheimnisse preis. Man beachte den rechten Raum im Screenshot von "Indiana Jones 4", der im fertigen Spiel nirgens auftaucht.
Nachdem die LucasArts-Adventures vollständig spielbar waren, haben sich die ScummVM-Entwickler auch anderen Adventures zugewandt. Und so unterstützt ScummVM inzwischen zusätzlich Spiele von Adventuresoft (u.a. Simon the Sorcerer), Revolution (u.a. Beneath a Steel Sky), Sierra (Leisure Suit Larry, Space Quest, King’s Quest uvm.) und viele, viele andere. Einige diese Spiele wurden inzwischen sogar von den ursprünglichen Entwicklern freigegeben, sodass man so für die Verwendung mit ScummVM kostenlos herunterladen kann.
So umfassend die Unterstützung alter Spiele in ScummVM auch ist, so ist es doch nicht das einzige Projekt dieser Art – wenn auch das umfangreichste. Auch Fans von anderen Genres kommen auf ihre Kosten, benötigen dabei aber für fast jedes Spiel einen eigenen Interpreter.
- Rollenspieler finden beispielsweise Unterstützung für Klassiker wie Ultima 6 (mit Nuvie), 7 (mit Exult) und 8 (mit Pentagram), für Eye of the Beholder (witzigerweise mit ScummVM), Dungeon Master (mit DMOE) oder Baldur’s Gate und Icewind Dale (mit GemRB).
- Für Strategen gibt es u.a. Interpreter für „Command & Conquer: Der Tiberium-Konflikt“ und „Command & Conquer: Alarmstufe Rot“ (mit OpenRA), für den C&C-Vorgänger „Dune 2“ (mit DuneLegacy), „Syndicate“ (mit FreeSynd) oder „Theme Hospital“ (mit CorsixTH).
- Action-Fans kommen auf ihre Kosten mit „Commander Keen 1-3“ (mit CloneKeen), „Descent 1&2“ (mit DXX-Rebirth), „Quake“ (mit Quakeworld), „Doom 1&2“, „Hexen“ und „Heretic“ (mit ZDoom) oder „Flashback“ (mit REminiscence).
Alle diese Interpreter (und viele weitere, hier nicht aufgeführte) haben gemeinsam, dass sie die ursprünglichen Spiele-Dateien benötigen, sie ermöglichen es lediglich, diese auf moderner Hardware auszuführen. Allerdings beschränken sie sich dabei meist nicht nur darauf, das Spiel wie anno dazumal laufen zu lassen, sondern unterstützen oft höhere Auflösungen (teilweise mit Interpolation), beschleunigte Grafik, verbesserte Musik und Effekte oder verbesserte Steuerung. Damit holen sie viele Spiele-Klassiker nicht nur zurück in die Erinnerung, sondern führen sie zu neuer Blüte.
Wenn einer der gennanten Klassiker noch bei Euch im Regal steht (z. B. auf eine Cover-CD), dann holt ihn doch mal hervor! Ein kleiner nostalgischer Spiele-Trip bringt nicht nur alte Erinnerungen zurück, sondern fördert mitunter so manches Schätzchen zutage, das man bislang übersehen hatte. Und mit Hilfe einer Unmenge an enthusiastischen Hobby-Entwicklern stehen moderne Rechner und Betriebssysteme dem inzwischen auch nicht mehr im Wege…