Gelesen: Jeff Jarvis „Public Parts“ (Mehr Transparenz wagen!) – fundiertes Plädoyer für mehr Öffentlichkeit
Am Anfang stand ein Widerspruch: Jeff Jarvis, Journalismus-Professor an der New Yorker Universität, hatte schon vor langer Zeit festgestellt, dass der Wunsch nach Privatsphäre in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Augenfällig war das beispielsweise anhand des öffentlichen Aufschreisgegen Google Street View. Umso erstaunter war er dann, als er auf Deutschlandreise feststellte, dass die Deutschen in gemischte Saunen gehen. Männer und Frauen zusammen, völlig nackt. Ein Paradoxon?
In seinem Buch „Public Parts“ (abgewandelt vom englischen Begriff „private parts“ für die Geschlechtsorgane) greift er nicht nur dieses Paradoxon auf, sondern spricht ganz allgemein über Privatsphäre und Öffentlichkeit. Er geht dabei nicht nur auf die Geschichte der Privatsphäre ein (die keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist), sondern diskutiert insbesondere ausführlich die Vorzüge, die Öffentlichkeit bieten kann.
In lockerem Schreibstil und mit vielen Beispielen und Verweisen erläutert er, wie Öffentlichkeit uns helfen und beschützen kann und wie Öffentlichkeit auch im Unternehmensumfeld Vorteile bringen kann. Sein Diskussionsbeitrag gipfelt in der Forderung nach „Schutz der Öffentlichkeit“ in Ergänzung zum „Schutz der Privatsphäre“.
Jeff Jarvis in der Sauna
Zunehmende Öffentlichkeit ist nicht nur nützlich, sondern für viele junge Menschen gelebte Praxis. Um ungewollte Effekten der Offenheit zu begegnen, fordert er nicht nach mehr Kontrolle der Daten, sondern um eine bewusstere Nutzung der Daten. Nur weil Daten über jemanden verfügbar sind, heißt es noch nicht, dass man diese auch beliebig einsetzen sollte. Letztendlich stehen wir hier vor einer Frage, die nicht technisch oder gesetzlich lösbar ist, sondern nur moralisch.
Mit „Public Parts“ hält Jarvis ein Plädoyer dafür, mehr Transparenz zu wagen und zeigt Möglichkeiten und Potentiale auf, ohne jedoch die Gefahren zu verschweigen. Egal auf welcher Seite man steht – Befürworter von mehr Privatsphäre oder Befürworter von mehr Öffentlichkeit – mit diesem Buch erhält man viele interessante Einblicke und Gedankenanstöße. Eine klare Leseempfehlung!
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Titel
Public Parts: How Sharing in the Digital Age Improves the Way We Work and Live (deutsch: Mehr Transparenz wagen!: Wie Facebook, Twitter & Co die Welt erneuern)