Dennis Pauler

Dennis, Deutschland und die Welt

Gespielt: The Curse of Monkey Island – humorvolles Piratenabenteuer (mit Zombie)

Der dritte Teil der Affeninsel-Saga beginnt mit einem fulminanten Zeichentrick-Intro in Disney-Qualität, das den originellen Fortgang der Geschichte beschreibt. Wir begegnen Guybrush, wie er einsam in der Karibik treibt. Offensichtlich ist das ein Bruch mit dem Ende des zweiten Teil – oder etwa doch nicht? Guybrush treibt nämlich in einem Autoscooter-Wagen und hat zwei Heliumbaloons dabei. Die wahren Hintergründe von Big Whoop bleiben jedoch erstmal verborgen und enthüllen sich erst im Laufe des Spiels.

Als wir Guybrush treffen hadert er gerade mit seinem Schicksal und ist kurz vor dem Verdursten, als er plötzlich mitten in eine Schlacht gerät. Der Zombiepirat LeChuck greift Plunder Island an und versucht die Gouverneurin Elaine Marley (mal wieder) zu überreden, ihn zu heiraten. Guybrush wird von LeChuck gefangen, schafft es aber sich zu befreien und die Schlacht zu Elaines Gunsten zu entscheiden. LeChucks Schiff versinkt und Guybrush nutzt die Gunst der Stunde um seiner alten Liebe Elaine seinerseits einen Heiratsantrag zu machen. Als er ihr einen diamantenen Verlobungsring ansteckt, den er in LeChucks Schatzkammer gefunden hat, nimmt das Unglück jedoch seinen Lauf. Der Ring war verflucht und Elaine verwandelt sich in eine Goldstatue. Und damit beginnt eine der abgedrehtesten Stories seit dem Kult-Zeitabenteuer „Day of the Tentacle“…

Guybrush nutzt die Gunst der Stunde, um Elaine einen Antrag zu machen

Guybrush nutzt die Gunst der Stunde, um Elaine einen Antrag zu machen

Technisch gesehen hat sich seit Monkey Island 2 einiges getan: Feinste Super-VGA-Zeichentrickgrafik sowie einer der besten Computerspielesoundtracks aller Zeiten (die diesmal nach echter Band klingt) schmeicheln Augen und Ohren. Da verzeiht man gerne, dass sich die 3d-Grafik auf einige gerenderte Zwischensequenzen beschränkt. Gesteuert wird Guybrush mit LucasArts‘ bewährtem SCUMM-System. Mit Hilfe der sogenannten „Verbmünze“ baut man Minisätze, wie z.B. „Sprich mit Murray“ zusammen, indem man sich erst entweder die Hand, die Augen oder den Mund aussucht und dann den entsprechenden Gegenstand oder die Person anklickt. Klickt man irgendwo ins Bild, folgt Guybrush dem Mauszeiger und läuft zur angeklickten Stelle. Obwohl der Umfang der möglichen Aktionen damit stark abgenommen hat (waren es in „Maniac Mansion“ noch 15 Verben, so sind es jetzt gerademal noch vier) leidet die Komplexität des Spiel und der Puzzles erstaunlicherweise nicht darunter. Anders als z.B. der Konkurrenz Sierra gelingt es LucasArts trotz der vereinfachten Bedienung, knackige, aber dennoch logische Rätsel für den Spieler bereit zu halten.

Wie schon in den vorigen Teilen ist das Spiel in mehrere Kapitel aufgeteilt, im Gegensatz zu den beiden Vorgängern sind es hier allerdings zwei Stück mehr, nämlich sechs. Während des Spiels trifft man auf viele alte Bekannte aus Monkey Island 1 und 2 (z.B. auf Stan, den Gebrauchtwarenhändler oder auf die vegetarischen Kanibalen) und auf etliche Anspielungen auf andere LucasArts-Spiele. Auch die Schwertkämpfe aus dem ersten Teil sind wieder mit dabei, diesmal mit ganz neuen Beleidigungen (Merke: Dein Verstand muss mindestens genauso scharf sein wie Deine Klinge!).

LeChuck hat böses vor

LeChuck hat böses vor

Monkey Island 3 bleibt zwar an fast allen Stellen auch für den Neueinsteiger verständlich, bis ins letzte Detail kann man es aber nur genießen, wenn man auch die Vorgänger gespielt hat – allerdings sollte das niemanden davon abhalten, „The Curse of Monkey Island“ zu spielen, sondern höchstens motivieren, sich auch noch die beiden ersten Teile zuzulegen. An fast allen Stellen ist Monkey 3 auch für den weniger geübten Spieler lösbar, allerdings sollte man auch in der Lage sein, einige etwas verrückte Ideen zu haben. Für die Adventure-Profis gibt es außerdem noch den schweren „Oberaffig“-Modus. Die Komplexität des Spiels hat seit dem letzten Teil nochmal kräftig zugelegt; im leichten Modus ist man schon gut 30 Stunden oder mehr beschäftigt, im schweren Modus kommen nochmal einige Stunden dazu.

Ein kleines Manko ist der abrupte Schluss, dem man deutlich anmerkt, dass den Designern die Zeit ausgegangen ist. Der Showdown beschränkt sich auf die wichtigsten Szenen und auch das Extro selbst ist extrem kurz geraten (die nicht verwirklichten Konzepte für den Schluß sind übrigens auf diversen Monkey-Island-Fan-Seiten im Internet zu finden).

„The Curse of Money Island“ ist ein Spiel, dass dem weniger actionlastigen Spieler trotz seines Alters tagelange erstklassiger Unterhaltung bietet. Den Entwicklern ist es recht gut gelungen, den von vielen als verkorkst angesehen Schluß des zweiten Teils (der wohl zu den Alpträumen eines jeden Spieledesigners, der eine Fortsetzung schreiben soll, gehört) zu erklären und aufzulösen. Wie auch schon seine Vorgänger ist die Gag-Dichte hier enorm – da muss so manche Kino-Komödie vor Neid erblassen.
Wer das Spiel nicht schon sein eigen nennt, sollte sich also schleunigst mal beim Software-Shop seines Vertrauens danach umsehen…

Dieser Bericht erschien ursprünglich in „Le Fou 23“.

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